South by Southwest (SXSW) 2018 – Teil 1

Wir waren dieses Jahr jedoch nicht ausschließlich vor Ort, um unser Wissen aufzufrischen und uns inspirieren zu lassen, sondern haben auch Kunden unterstützt. Anstatt euch unsere Eindrücke der Veranstaltung zu schildern, haben wir uns dafür entschieden, unsere Kunden für euch sprechen zu lassen. In diesem Beitrag stellen wir euch Claudius Rokosch von Ketchum Pleon vor. Er koordiniert das Projekt So geht sächsisch. Was wir genau für So geht sächsisch. gemacht haben, findet ihr hier in voller Länge.

„Ich arbeite für Ketchum Pleon in Dresden und bin dort als Senior Consultant mit dem Schwerpunkt  digitale Kampagnenführung tätig.“ Claudius Rokosch, Ketchum Pleon

Was treibt dich nach Austin zum South by Southwest Festival (SXSW)?

Das sind eigentlich zweierlei Dinge. Zum einen haben wir als Agentur immer den Anspruch neue Entwicklungen in der Technologie und in der Digitalisierung ausfindig zu machen – zu schauen was neu ist, wie es unsere Arbeit als Kommunikatoren beeinflusst und was wir für unsere Kunden nutzbar machen können. Zum anderen sind wir dieses Jahr mit einem konkreten Kundenauftrag hier. Wir sind hier, um für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Sachsen zu werben. Deshalb ist der Freistaat erstmals Partner im German Haus. Was ich hier konkret mache, ist das Programm mitzugestalten. Das heißt, dass wir versuchen Sachsen nicht nur durch Image-Broschüren und Logopräsenz darzustellen, sondern vor allem durch die Menschen selbst. So haben wir Player aus der Gründer- und Startup-Szene – die in Sachsen enorm gewachsen ist und immer relevanter wird – dabei, wie zum Beispiel Eric Weber aus dem Smart Hub in Leipzig oder Wandelbots, ein Startup aus Dresden, welches hier sogar den Smart Cities and Mobility Pitch für sich entscheiden konnte.

Worum geht es bei So geht sächsisch.?

So geht sächsisch. ist die Standortkampagne für den Freistaat Sachsen. Wir wollen das Image nach außen prägen und positiv beeinflussen. Jeder Standort muss heutzutage für sich werben und steht national wie international im Wettbewerb um Touristen, Fachkräfte, Wissenschaftler usw.
So geht sächsisch. ist dabei die Dachmarke und bewirbt konkrete Standortvorteile in Bereichen  Tourismus, Kunst, Kultur oder Wirtschaft – aber nicht als reine Leistungsschau, sondern sehr nah an den Menschen und deren vielfältige inspirierende Geschichten und Projekte. Wir verstehen uns als Tor für alle, die zunächst einmal wenig bis gar nichts mit Sachsen verbinden.

Hast du schon Feedback bekommen? Zieht jetzt jemand nach Sachsen zu uns?

Herziehen wäre vielleicht ein bisschen viel gewollt, aber neugierig machen auf uns und das, was wir zu bieten haben, gelingt uns sehr regelmäßig. Natürlich ist das alles eher ein Marathon und kein Sprint. Das Image muss nachhaltig geprägt und aufgebaut werden. Wir wissen um unsere Defizite, aber vor allem um unsere Stärken. Für die Vermarktung brauchen wir vielerlei gute Initiativen, Projekte und Menschen, die als inspirierende Beispiele funktionieren für diejenigen, die vor der Wahl des nächsten Urlaubs, Arbeitsplatzes oder unternehmerischen Entscheidung stehen. Dafür haben wir innerhalb der Kampagne eine Vielzahl an Maßnahmen und Tools, die wir über das Jahr hinweg in Deutschland und auch in die Welt streuen. Wir machen echtes 360-Grad-Contentmarketing für den modernen Freistaat, wenn man so will. Extrem spannend und nie langweilig , aber eben auch ein langfristiger Prozess – das wissen wir.

Wie nimmst du die Veranstaltung hier wahr?

Ich finde, die SXSW steht aus mehrerlei Gründen absolut für sich. Hier findet man einfach eine Atmosphäre vor, die so viel mehr ist als eine Konferenz oder eine reine Fachtagung. Was die South by ausmacht, ist die einzigartige Kombination aus Inspiration, Technologie und Kreativität in dem fachlichen Teil, aber auch sehr qualitative Netzwerken. Man wird in dieser Stadt in eine Grundstimmung versetzt, die es von vornherein leichter macht auf Menschen zuzugehen und sich auszutauschen. Es ist weniger das reine Messe-Konzept, sondern die bewusste Kombination aus Festival, Musik, Kunst und eben relevanten Zukunftsthemen, die uns alle betreffen.

Können wir so etwas nicht in Sachsen implementieren?

Sollten wir, unbedingt. Da wäre ich sofort mit dabei und ich wüsste auch schon viele, die da mitmachen würden. Man sieht natürlich auch, was das für ein wahnsinniger Organisationsaufwand ist. Wie viele Leute hier dran arbeiten, um so ein gigantisches Event zu koordinieren und realisieren. Ich glaube, nicht nur in Sachsen, auch in Deutschland, müssen wir da mehr tun. Wir müssen lauter trommeln und Deutschland als Standort der Digitalwirtschaft positionieren. Was uns ausmacht ist das enge Zusammenspiel aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst – das wissen nur die Deutschen selbst noch viel zu wenig, wie soll es da der Rest der Welt wissen? Ich glaube auch, es fehlt gar nicht am Potential selbst, denn das ist da. Wir sind einfach nicht gut genug darin, dies ansprechend zu verpacken und attraktiv nach außen zu verkaufen. Was die CEBIT dieses Jahr erstmals versucht, ist ja genau der Konzeptwandel: weg von dem reinen Messegeschäft, hin zu mehr experience & inspiration. Natürlich ist das auch ein wenig mit Blick über den Großen Teich passiert.

Was macht dich in deinem Job glücklich?

Dass ich heute hier sein kann, ist doch ein gutes Beispiel. Was meinen Job attraktiv und interessant macht, ist die nie langweilige Agenturarbeit. Ich bin seit fünfzehn Jahren im Agenturgeschäft. Früher oder später kommen viele an den Punkt, an dem sie sich entscheiden müssen. Entweder man macht dieses Business weiter und braucht ein Stück weit auch die vielfältigen Herausforderungen unserer Kundenarbeit oder man wechselt auf die Unternehmerseite. Das mag in vielerlei Hinsicht vielleicht bequemer sein und es hat sicherlich auch einen finanziellen Anreiz. Für mich ist das Spannendste die Vielfalt in der Agenturwelt und das sich immer wieder mit neuen Themen intensive Auseinandersetzen. Die Arbeit für Sachsen und das Projekt So geht sächsisch. ist eigentlich das perfekte Beispiel. Mit dieser Dachmarken-Konstruktion hast du automatisch die Verantwortung für vielerlei Initiativen, Verbände und Wirtschaftsförderungen. Hier zählt nur die Zusammenarbeit und das miteinander Netzwerken, um die Themenvielfalt zu koordinieren und die Kampagne als wichtiges gemeinsames Tool der Vermarktung zu verstehen. Das ist jeden Tag aufs Neue superspannend und macht auch im vierten Jahr bei Ketchum Pleon noch extrem viel Spaß.

Was wünschst du dir denn für Sachsen?

Grundsätzlich wünsche mir natürlich, dass wir uns weniger damit beschäftigen, was alles nicht läuft und was früher besser war, sondern lieber mehr reflektieren, in welcher privilegierten Lage wir uns eigentlich befinden. Daher wünsche ich mir auch, dass wir ein bisschen mehr Glück empfinden können für die gemeinsame Erfolgsgeschichte und den Lebensstandard, den wir genießen dürfen. Manchmal habe ich den Eindruck, Leute, die nach Sachsen kommen, müssen den Sachsen erstmal erzählen, wie schön sie es haben. Irgendwie ist das ein bisschen aus der Balance geraten, was ich total schade finde, denn Sachsen ist so vielfältig und reich in vielerlei Hinsicht. Viele beneiden uns um all das, was wir hier haben. Ich bin kein gebürtiger Sachse und habe vielleicht den Vorteil, hier auch ein andere Perspektive mitzubringen. Aber grundsätzlich finde ich, die Menschen täten gut daran, sich das Glück auch öfter mal wieder bewusst zu machen. Denn gerade damit könnten wir doch super in aller Welt für uns werben.