„LOVE HR, HATE RACISM“

Silvia Lauterbach und Stefanie Frenking von Spreadshirt sind am 15.Oktober beim „HR BarCamp Leipzig x RUND UMS PERSONAL“ als Vertreterinnen der Initiative „Love HR, Hate Racism“ dabei. An diesem Abend möchten wir Antworten auf die Frage finden wie Personalverantwortliche mit rassistischen oder transfeindlichen Mustern im eigenen Unternehmen umgehen können. Vorab haben Sie uns Einblicke in ihre tägliche Praxis gegeben.

Was steckt hinter Spreadshirt?

Stefanie Frenking: Spreadshirt wurde vor 17 Jahren gegründet und ist im E-Commerce unterwegs. Es ist eine Plattform für Ideen, die auf einem T-Shirt oder vielen anderen Produkten landen können. Wir bieten also allen Kreativen oder allen, die sich ausdrücken wollen, die Möglichkeit dazu. Spreadshirt ist als Arbeitgeber sehr bunt und individuell aufgestellt. In Leipzig haben wir fast 400 Mitarbeiter*innen, weltweit sogar über 900. Wir sind insbesondere hier in Leipzig sehr stolz darauf, dass wir so bunt sind. Aktuell sind bei uns 32  Nationen am Standort Leipzig tätig. Uns ist es wichtig, zu zeigen, dass man sehr erfolgreich sein kann, wenn man so viel Diversität fördert und lebt.

Wie kam es zu der Initiative Love HR Hate Racism?

Stefanie Frenking: Die Initiative entstand über ein HR-Netzwerk und ein Barcamp. Es gab einen Personaler, der zu seinem Shirt mit der Aufschrift „Love HR, Hate Racism“ auf der Zukunft Personal sehr unterschiedliches Feedback bekommen hat. In der Bloggersphäre gab es viele Diskussionen zu dem Thema und es entstand die Frage, ob und wie sich Unternehmen zu diesem Thema positionieren können und sollen. Uns ist es wichtig, ein Netzwerk zu haben, innerhalb dessen sich die Personalverantwortlichen austauschen können. Wir möchten durch dieses Statement Präventivarbeit leisten und damit zeigen, dass Menschen, die keinen Bedarf bei der Integration sehen, in unserem Unternehmen nicht willkommen sind.

 

Warum habt Ihr Euch dafür entschieden, Euch so stark zu positionieren?

Silvia Lauterbach: Zum einen ist es das Thema Diversität am Arbeitsplatz, zum anderen schafft das eine schöne Brücke zwischen meiner persönlichen Einstellung und meinem Berufsleben. Ich finde es gut und wichtig, bei einem Arbeitgeber zu sein, der meine Werte teilt. In meinem persönlichen Umfeld bin ich eine große Verfechterin von Diversität. Ich finde, dass das Thema Rassismus noch viel zu wenig Beachtung im Alltag und im Arbeitsleben bekommt. Wenn ich in meinem Umkreis Äußerungen in Richtung Rassismus mitbekomme, zeige ich Zivilcourage. Erst letztens hatte ich eine Situation in den Straßen Leipzigs, in der es zum Wortgefecht mit rassistischen Äußerungen kam. Ich habe mich daraufhin gemeinsam mit anderen Leuten dafür entschieden, die Polizei zu rufen, damit der Vorfall bspw. auch in der Statistik auftaucht.

Stefanie Frenking: Spreadshirt ist eine offene Plattform im Internet und gibt vielen verschiedenen Strömungen Raum. Unsere Herausforderung besteht darin mit der Platfform Position beziehen zu können. Diese Probleme gibt es auch auf Seiten wie Facebook. Natürlich wird geprüft, ob es sich um rechtsextremistische Inhalte handelt, aber bis zu einem gewissen Grad muss man offen sein für die Strömungen – ob links oder rechts. Wir sind zwar eine offene Plattform, aber wir müssen auf Kundenseite darauf achten, was für uns vertretbar ist und was nicht. Dadurch müssen wir als Unternehmen manchmal Sachen unterstützen, mit denen wir politisch oder inhaltlich nicht ganz einverstanden sind. Aus Arbeitgeberperspektive ist es uns aber besonders wichtig, Flagge zu zeigen. Wir haben einen britischen CEO und ein buntes und diverses Team.

Silvia Lauterbach: Wir als Arbeitgeber haben auch eine Art gesellschaftlichen Auftrag. Wir gestalten mit dem, was wir hier täglich tun, die Lebensläufe und somit die Gesellschaft mit. Für uns als Arbeitgeber spielt es bei der Einstellung von Personal keine Rolle, welches Geschlecht jemand hat oder wo jemand herkommt. An dieser Stelle sind wir ‚blind‘. Wir sehen, dass es viele Unternehmen gibt, für die Diversität und leider auch Rassismus starke Themen sind und daher ist es gut, ein Netzwerk zu schaffen, in dem man sich austauschen und unterstützen kann.

Denkt Ihr, dass sich besonders in der jetzigen politisch angespannten Situation mehr Personalverantwortliche positionieren sollten?

Stefanie Frenking: Ja. Ich denke, dass Spreadshirt in der Hinsicht ein Vorbild für andere Unternehmen sein kann. Mit dieser Aktion möchten wir andere Unternehmen darauf aufmerksam machen, dass es sich lohnt, sich dazu zu positionieren. Nicht nur die Personalverantwortlichen, sondern das gesamte Unternehmen sollte hinter dieser Position stehen. Wir rekrutieren auf einem sehr internationalen Level. Englisch ist unsere Unternehmenssprache. Viele Unternehmen rekrutieren auch aus dem Ausland und genau dann ist es wichtig, eine klare Haltung einzunehmen und diese offen zu zeigen.

Silvia Lauterbach: Ich sehe darin einen absoluten Wettbewerbsvorteil, daher sollten die Unternehmen Mut haben, sich zu positionieren – insbesondere mit dem Hintergrund der Landtagswahlen in Sachsen.

Wie würdet Ihr damit umgehen, wenn Ihr merkt, dass über einen Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund in der Firma getuschelt wird?

Stefanie Frenking: Wir hatten mal einen Mitarbeiter in der IT-Abteilung, der nur Englisch gesprochen hat. In einem Meeting mit den Kollegen, haben diese dann aber nur Deutsch geredet, weil es für die Mehrheit einfacher war. Wir sind in solchen Situationen dann gefordert unseren Beitrag zu leisten, nochmal auf unsere Werte hinzuweisen und den Kollegen diese Situationen zu spiegeln. Mittlerweile gibt es in genau dieser Abteilung Mitarbeiter vier verschiedener Nationen.

Silvia Lauterbach: Es ist wichtig, Begegnungen zu schaffen, um im besten Fall präventiv vorzugehen. Und wenn es wirklich mal zu einer solchen wie von dir beschriebenen Situation kommen sollte, gibt es hoffentlich eine/n gute/n Ansprechpartner*in innerhalb der Firma. Team-Meetings beispielsweise können dazu genutzt werden, nicht nur fachlich zu reden, sondern sich gegenseitig besser kennenzulernen.

Du möchtest dabei sein?

Die Veranstaltung findet am 15.10 ab 18 Uhr bei PRISMA im Herzen von Leipzig statt. Alle Details zum Event findest du hier.